Dienstag, 23. April 2013
Dieser Jannowitzbrückenplatz sieht aus wie Pippi
berlinertratschtante, 14:06h

Heute Morgen um 8:30Uhr wurden die Fahrräder am U-Bahnhof Kottbusser Tor schon an Sitzbänke angeschlossen, weil alle Ständer bereits besetzt waren.
Es besteht immer noch Schienenersatzverkehr zwischen Kottbusser Tor und Hermannplatz. Die Ersatzbusse sind immer überfüllt, sodass du dich nur mit viel Glück noch in einen der stickigen Busse hinein quetschen kannst. Deswegen entscheiden sich wohl die meisten direkt mit dem Zweirad zum Kotti zu fahren. Trotzdem waren es nicht zu viele Leute, die an diesen Morgen mit der U8 Richtung Wittenau fuhren – fast jeder konnte sich einen Sitzplatz sichern.
Als die U-Bahn losfuhr, begann jemand im tiefsten Berlinerisch wie ein Brubbelkopp vor sich hin zu quasseln: „Ick gloobs ja net. Da regt ihr euch über ´ne Zijarette auf? Eure Kinder sind alle krank! Ehrlich – und ihr wisst es. Sie sind alle krank. Und es wird immer schlimmer.“
Während einige Menschen neugierig ihre Köpfe in alle Richtungen drehen um die Prophetin zu orten, schauen andere betreten weg.
Im hinteren Abteil des Waggons befinden sich zwei türkische Damen mit drei Kleinkindern. Als die Kinder beginnen vor Freude herum zu quietschen und zu schreien, stimmt die adrette Frau Prophetin ein: „Uaaaahhhhhhh … It smells like fireeee.“ Sobald die Kleinen anfangen zu kreischen, kreischt auch sie los. „Eh, wir können echt ´ne Band aufmachen!“
Fast allen Fahrgästen wurde spätestens jetzt ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.
Als wir in die gelbe U-Bahnstation der Jannowitzbrücke einfahren, stimmt sie ein neues Liedchen ein: „Dieser Jannowitzbrückenplatz sieht aus wie Pippi – oder Galle – oder Pippi ...“
Am Alexanderplatz stieg sie dann schließlich aus und endlich konnte ich sie sehen: Eine Frau mittleren Alters mit Brille und dunklen lockigen schulterlangen Haaren.
Für ihre Worte sah sie viel zu normal aus.
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