Donnerstag, 16. Mai 2013
Nächste Station: U Bahnhof Schlesisches Tor - Hipster-Spanier und Halunken


José ist erst vor fünf Monaten nach Berlin gezogen. Er fühlt sich sehr wohl in der multikulturellen Stadt, doch sind, seiner Meinung nach, sind die Ticketpreise der BVG  viel zu hoch. Doch am Schlesischen Tor findet er immer einen Weg, um dieses Problem zu lösen.

Hipsters Paradise
Der U-Bahnhof “Schlesisches Tor“ befindet sich unweit der Oberbaumbrücke-und damit mitten in der Szene. Hier in der Umgebung gibt es einfach alles, was das Hipster-Herz begehrt: abgefahrene Clubs und Bars, gemütliche Vintage-Cafés in Großmutters Stil, Spätis voller tschechischer Bier- und Club-Mate-Sorten, kleine, schicke, überteuerte Läden und andere Hipster.

¿Hablas español?
Auch José fühlt sich hier sehr wohl. Das liegt wohl auch daran, dass sich hier viele seiner Landsleute herumtreiben. „Es ist unglaublich, ich höre so viele Leute auf Spanisch sprechen, sodass ich glauben könnte, ich sei zu Hause.“

Dealer ohne Drogen
Er geht in den U-Bahnhof hinein, doch anstatt auf den Ticketautomaten zuzulaufen, winkt er einen jungen Türken zu.
Nach einer Minute hält er ein Tagesticket für 3Euro, statt für 6,50Euro in der Hand. So mache er es jeden Tag. Einmal kaufte er sich auch ein Ticket, bei dem er sich nicht sicher war, ob es sich um ein Fake handelte – doch das Risiko ist er eingegangen.

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Dienstag, 14. Mai 2013
Nächste Station: Kottbusser Tor – Wo das frische und das marode Leben aufeinandertreffen


Der Kotti ist einer der vielfältigsten Orte Berlins. Nachts kann man sich in einem der vielen umliegenden Bars und Clubs auslassen, während man tagsüber am Maybachufer chillen oder durch Ateliers schlendern kann.
Kein Wunder, dass der Kiez, vor allem bei jungen Leuten, immer beliebter wird. Doch das hat auch üble Folgen.

Drogen, Hipster und Touristen
Sobald man aus der U8 aussteigt, sieht man sie schon: Seit 40 Jahren versammelt sich hier die Drogenszene in den Gängen der U-Bahn. Auf dem Weg nach oben stößt man mit den verschiedensten Mensch zusammen. Da wäre der Touri, der planlos mitten im Weg herumsteht und verzweifelt auf seinen Fahrplan starrt. An ihm vorbei schwankt ein Obdachloser, der schimpfend einen Schluck aus seinem Sterni nimmt und dabei einen Hipster, der seinen Jutebeutel durchwühlt, anrempelt. Oben angekommen, tummeln sich alle vereint vor Kaiser’s.

Alltäglicher Widerspruch
Trotz der vielen politoxomanen Süchtigen, gibt es keine Überfälle auf Anwohner oder Passanten. Es werden auch nicht mehr Auseinandersetzungen als in anderen Ecken der Umgebung gemeldet. Klar, es kann ab und zu vorkommen, dass sich zwei Betrunkene gegenseitig anbrüllen, aber das gibt es auch anderswo.
Im Grunde genommen sind die Leute hier sehr friedlich gestimmt und der Kotti erfeut sich großer Beliebtheit: Durch die vielen umliegenden Bars und Clubs tobt über dem U-Bahnhof immer das blühende Leben, während unten, in den dunklen Gängen der U8, die Junkies lungern. Auch Christiane F., die, mittlerweile um die 50 Jahre alte, Antiheldin des Romans „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, soll sich hier oft aufhalten.

Katastrophale Mieterhöhungen
Die Drogenabhängigen schrecken hier niemanden ab. Man hat sich nicht nur buchstäblich an sie gewöhnt, sondern sie als Teil des bunten Lebens anerkannt. Immer mehr Leute hoffen auf eine Wohnung in dem Szenebezirk. Die daraus folgenden Mieterhöhungen sind existenzbedrohend: Wer vor drei Jahren noch 700 Euro zahlte, muss heute mindestens 200 Euro mehr blechen.

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Dienstag, 23. April 2013
Dieser Jannowitzbrückenplatz sieht aus wie Pippi


Heute Morgen um 8:30Uhr wurden die Fahrräder am U-Bahnhof Kottbusser Tor schon an Sitzbänke angeschlossen, weil alle Ständer bereits besetzt waren.
Es besteht immer noch Schienenersatzverkehr zwischen Kottbusser Tor und Hermannplatz. Die Ersatzbusse sind immer überfüllt, sodass du dich nur mit viel Glück noch in einen der stickigen Busse hinein quetschen kannst. Deswegen entscheiden sich wohl die meisten direkt mit dem Zweirad zum Kotti zu fahren. Trotzdem waren es nicht zu viele Leute, die an diesen Morgen mit der U8 Richtung Wittenau fuhren – fast jeder konnte sich einen Sitzplatz sichern.
Als die U-Bahn losfuhr, begann jemand im tiefsten Berlinerisch wie ein Brubbelkopp vor sich hin zu quasseln: „Ick gloobs ja net. Da regt ihr euch über ´ne Zijarette auf? Eure Kinder sind alle krank! Ehrlich – und ihr wisst es. Sie sind alle krank. Und es wird immer schlimmer.“
Während einige Menschen neugierig ihre Köpfe in alle Richtungen drehen um die Prophetin zu orten, schauen andere betreten weg.
Im hinteren Abteil des Waggons befinden sich zwei türkische Damen mit drei Kleinkindern. Als die Kinder beginnen vor Freude herum zu quietschen und zu schreien, stimmt die adrette Frau Prophetin ein: „Uaaaahhhhhhh … It smells like fireeee.“ Sobald die Kleinen anfangen zu kreischen, kreischt auch sie los. „Eh, wir können echt ´ne Band aufmachen!“
Fast allen Fahrgästen wurde spätestens jetzt ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.
Als wir in die gelbe U-Bahnstation der Jannowitzbrücke einfahren, stimmt sie ein neues Liedchen ein: „Dieser Jannowitzbrückenplatz sieht aus wie Pippi – oder Galle – oder Pippi ...“
Am Alexanderplatz stieg sie dann schließlich aus und endlich konnte ich sie sehen: Eine Frau mittleren Alters mit Brille und dunklen lockigen schulterlangen Haaren.
Für ihre Worte sah sie viel zu normal aus.

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